Haus Sudetenland in Waldkraiburg

Auf Ruinen erbaut

" . . . Fanfaren leiten den dritten der festlichen Tage in Waldkraiburg ein.
Auf einem Hügel im Nordosten der Gemeinde, an dessen steilen Böschungen noch gesprengte Bunkerwände mit Eisen-Armierungen an die unseligen Zeiten des III. Reiches erinnern. Hier, auf dem Plateau des Hügels, ist nach mehr als einjähriger Arbeit das Haus Sudetenland entstanden. . . .“

Mit diesen Worten u. a. berichtete am 27. Juli 1959 der Bayerische Rundfunk von der Eröffnung des neuen Jugendheimes in Waldkraiburg. In der Tat, ein Meilenstein in der Geschichte des Hauses und der nach dem 2. Weltkrieg entstandenen Flüchtlingssiedlung in Oberbayern.

Als die 1950 auf dem Gebiet einer ehemaligen Munitionsfabrik gegründete Gemeinde Waldkraiburg nach Möglichkeiten suchte, eine Bildungs- und Begegnungsstätte insbesondere für die Jugend der Heimatvertriebenen zu errichten, ergriffen der damaligen Bezirksobmann der SL, Walter Richter und der Bürgermeister der jungen Gemeinde, Hubert Rösler, die Initiative.

Zunächst wurde 1956 ein Trägerverein, das Jugendförderungswerk Waldkraiburg e.V. gegründet. Walter Richter wurde 1. Vorsitzender und hat in dieser Eigenschaft bis 1993 die Geschicke des Haus Sudetenland maßgeblich beeinflusst.

Nachdem die Gemeinde das Grundstück des ehemaligen Munitionsbunkers dem Verein praktisch unentgeltlich überlassen hatte, konnte 1956 der Grundstein gelegt und mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Finanzierung, die den Verantwortlichen des Jugendförderungswerks viel Verhandlungsgeschick abverlangte, erfolgte durch Zuschüsse der Gemeinde, des Landkreises, aus dem Bundesjugendplan, aus Spenden und Mitteln verschiedener Institutionen der Sudetendeutschen und anderer.
Schließlich konnte 1959 das Haus Sudetenland seiner Bestimmung übergeben werden. Eine neue Bildungs- und Begegnungsstätte, Treffpunkt für die Jugend und ein weiteres Stück zu Hause für die Arbeit der Sudetendeutschen Jugend und der DJO war geschaffen.

Erster Heimleiter war Otto Thuma. Ab 1966 leiteten das Ehepaar Sigrun und Horst Rössler das Haus. Nach dem Tod von Horst Rössler 1996 übernimmt das Ehepaar Schleich die Leitung; Leonhard Schleich wird neuer Heimleiter.

Haus Sudetenland entwickelt sich rasch zu einer anerkannten und festgefügten Institution weit über die Grenzen Bayerns hinaus. Neben den SdJ- und DJO-Veranstaltungen mit Gruppenleiterlehrgängen, Bildungsseminaren, Sommer- und Winterfreizeiten, Zeltlager, Volkstanz- und Singwochen, Werklehrgängen, Verbandstagungen usw. finden auch zunehmend internationale und kulturelle Maßnahmen im Haus statt. Gäste aus ca. 80 verschiedenen Ländern besuchten im Laufe der Jahre das Haus.
Besonders begrüßt wurde am 21. Mai 1969 Bundespräsident Heinrich Lübke mit Gattin.

Wie überall -- wer bestehen will, muss mit der Zeit gehen. Und so war auch für das Haus Sudetenland manche Veränderung im baulichen Bereich sowie in Bezug auf die Arbeit und Zielsetzung zwangsläufig.
So erhielt der Zeltlagerplatz ein Gebäude mit Versorgungseinrichtungen und Aufenthaltsräumen, um Engpässe im Haupthaus abzumildern; Auflagen bezüglich Sicherheit, Brandschutz, Fluchtwege etc. führten wiederholt zu größeren Umbauten und Modernisierungsmaßnahmen im und um das Haus.

Besonders die Verschärfung der gesetzlichen Auflagen zum Feuerschutz führten 1978 zu erheblichen finanziellen Problemen, die das Jugendförderungswerk nicht mehr schultern konnte. So übernahm die Stadt Waldkraiburg als neuer Besitzer das Haus Sudetenland und das Jugendförderungswerk e.V. als Pächter konnte den Betrieb kontinuierlich weiterführen.

Auf Grund der sich verändernden Nachfrage wurde das Angebot des Hauses deutlich erweitert. Ab 1977 fanden u.a. Intensiv-Deutschkurse für junge Spätaussiedler statt (bis 2004), Seminare und Tagungen auch im Bereich der Erwachsenenbildung, Landschulheim-Aufenthalte, musische Bildung, Sport u.v.m..

Um den Bedarf an geeigneten Räumlichkeiten zu decken, wurde 1986 ein neues Seminar-Haus errichtet und in Betrieb genommen.

Damit ist das Haus Sudetenland offen für vielfältige Maßnahmen und Veranstaltungen im Jugend- wie im Erwachsenenbereich und ein hervorragendes Aushängeschild für die Stadt Waldkraiburg und darüber hinaus.


Günther Prade

Achtung:
es fehlt noch ein Bericht über den ersten und später den neuen Zeltplatz!



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