Horst Theml

Mein Lebensweg
Horst Theml

Geboren am 13. Juli 1930 in Komotau in der 1. Tschechoslowakischen Republik als 2.Kind von Franz und Marie Theml. Mein Vater war Telegrafeninspektor, meine Mutter gelernte Modistin, meine Schwester Edeltraute 8 Jahre älter.

Nach 4 Jahren Volksschule in der Übungsschule der LBA Übertritt in die Bürgerschule (4 Jahre).
Nach bestandener Aufnahmeprüfung Beginn des Studiums an der Staatlichen Ingenieurschule ( Staatsgewerbeschule, 10 Semester) in Komotau, Fachrichtung Starkstromtechnik.

Oktober 1938: Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich.
Am 09. 10. 1938 Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Komotau. Gleichschaltung aller sudetendeutschen Vereine und Verbände mit den nationalsozialistischen Organisationen.

Mit 10 Jahren allgemein verpflichtender Eintritt in das Jungvolk, Modellbaufähnlein, mit 14 Jahren automatischer Übertritt in die Flieger- HJ.

Am 02. 05. 1945 kriegsbedingtes vorzeitiges Ende des 2. Semesters und Einberufung des Jahrganges 1930 zum Volkssturm. Schnellausbildung an Karabiner und Panzerfaust und Vorbereitung für die Verteidigung der Stadt. Am 07. 05. 1945 wurden wir jedoch entlassen.

Besetzung Komotaus durch die russischen Truppen am Morgen des 08. Mai 1945, Kriegsende.
Repressalien und Gewalt gegen die deutsche Bevölkerung, Vergewaltigungen, zahlreiche Selbstmorde, Inhaftierung von Mitgliedern von NS- Organisationen, Errichtung des KZ Glashütte.

Ab 02. 07. 1945 Beginnder wilden Vertreibung in Komotau.
Meine Mutter und meine Schwester Traute wurden am 08. 07. nach Sachsen vertrieben.


Todesmarsch und Zwangsarbeit

Am 9. Juni 1945 wurden 8000 Männer der Stadt Komotau von 13 bis 65 Jahren am Jahnspielplatz zusammengetrieben, 20 SS-Soldaten -- teilweise sehr jung -- wurden vor unser aller Augen bestialisch massakriert.
Anschließend wurden alle Männer in einer langen Kolonne unter strengster Bewachung aus der Stadt hinaus- und 26 km in das hohe Erzgebirge nach Gebirgsneudorf getrieben. Wer nicht mitkam, wird erschossen. Dieser Todesmarsch der Komotauer forderte weitere 80 Opfer.
Drei Tage und zwei Nächte lagen wir an der tschechisch-sächsischen Grenze. Die Russen lehnten eine Übernahme nach Sachsen ab. Unser Glück, sonst wären wir in Sibirien gelandet! Dann Abmarsch ins Tal nach Maltheuern ins dortige Hydrierwerk.

Eines der Kriegsgefangenenlager, Tabor 27, nahm uns auf. Ein Barackenlager mit hohem Stacheldrahtzaun und Wachtürmen. Grausames spielte sich hier in diesem Lager ab!
Nach 8 Tagen wurden wir Männer von 12 - 16 Jahren in das Jugendlager 17/18 getrieben. 800 Gleichaltrigewaren streng bewacht in Baracken untergebracht.
Die Essensrationen waren auf ein Minimum reduziert, Hungerödeme an Beinen und Armen waren die Folge. Läuse und Wanzen plagten uns. Jeden Tag ging es frühmorgens zur Arbeit ins Hydrierwerk. Teilweise mussten wir über 12 Stunden Schwerstarbeit verrichten.

( Genaueres dazu unter Todesmarsch und Zwangsarbeit eines 14 - Jährigen )

Nach 11 Monaten wurde ich nach Komotau entlassen.


Vertreibung

Dort erwartete mich mein Vater, der schon früher aus einem anderen Zwangsarbeitslager (Striemitz bei Brüx) entlassen wurde.
Hier lebten wir erneut in einem Abschublager zusammen mit Hunderten unserer Landsleute, wieder Zwangsarbeit am Bahnhof. Wir warteten nun auf unseren Abschub nach Deutschland.
Mitte Juni 1946 war es soweit. Mit 1200 Landsleuten wurden je 30 Personen in 40 geschlossenen Viehwaggons verladen und abtransportiert.

Nach 3 Tagen Fahrt durch Sachsen und Thüringen landeten wir in Ingersleben bei Erfurt.
Am Bauernhof durfte ich bei freier Kost und Wohnung ohne weitere Entlohnung als Knecht arbeiten. Ich hatte nun wenigstens nicht mehr unter Hunger zu leiden, dafür aber an der Anpassung an eine völlig fremde Umgebung, Mentalität, Dialekt, Religion usw.

Meine Mutter und Schwester waren -- im offenen Viehwaggon -- bereits im Juli 1945 durch die wilde Vertreibung nach Herold in Sachsen vertrieben worden.
Dorthin zog ich im November 1946, wieder vereint mit meiner Mutter und Schwester.

Ich fand Arbeit als Hilfsarbeiter in einer Kessel- und Kupferschmiede, mit Tätigkeiten die mir Spaß machten und wobei ich mein erstes Geld verdiente.


Integration und Beruf

Mein Vater hatte sich im Juli 1946 illegal in die Britische Besatzungszone abgesetzt und in Recklinghausen eine Stelle als Telegrafeninspektor angetreten.
Im Rahmen der Familienzusammenführung zogen wir im Juli 1947 nach Recklinghausen. Zunächst in zwei getrennten möblierten Zimmern, dann in einer unmöblierten Wohnung ohne Möbel.
Damit hatten wir einen zufrieden stellenden Start im Ruhrgebiet.

Ich begann als Hilfsarbeiter, dann als Lehrling in der Elektrowerkstatt der Zeche General Blumenthal.
Nach zweieinhalb Jahren Lehrzeit folgte die Gesellenprüfung als Betriebselektriker, dann die Arbeit als Elektrohauer unter Tage.

Durch eine 2-Jährige Abendschule erwarb ich die Fachschulreife, schaffte die Aufnahmeprüfung an der Staatlichen Ingenieurschule in Dortmund.
Nach dem Studium in der Fachrichtung Starkstromtechnik von 1951 bis 1953, Examen (Ing.), ab1974 Ing.(grad.) und ab1982 Führungsberechtigung Diplom- Ingenieur (Dipl.Ing.).

Eintritt als Projektingenieur in die Abteilung Bergbau der Allgemeinen Elektricitätsgesellschaft (AEG) in Essen.
1954 Versetzung nach Frankfurt, Abteilung Industrieausrüstungen. Vielfältige Tätigkeiten als Projektingenieur, Leiter der Fachgruppe Stetigförderanlagen und dann ab 1966 Ernennung zum Oberingenieur und Leitung der Fachabteilung Förder- und Lagerwesen (100 Mitarbeiter), Projektmanager für Großprojekte.

Ab 1975 Versetzung in die Zentralabteilung Technisches Controlling, Elektrotechnische Normung und Standardisierung, Vertreter der AEG in Normungsgremien der Deutschen Elektrotechnischen Kommission (DKE), Obmann von VDI und DKE- Fachgremien, Secretary TC16 of International Electrotechnical Commision (IEC).
Ab 1982 Fachbereich Industrieausrüstungen. Aufbau der Abteilung Geräte-und Anlagenstandardisierung, Einführung des computergestützten Dokumentations- und Bearbeitungssystemes RUPLAN.
Bis 1993 Leiter der Stabsstelle Qualitätssicherung im Fachbereich Industrieausrüstungen mit Einführung des Qualitätssicherungssystemes ISO 9001.

Ruhestand ab 1.Oktober 1993.


Jugendarbeit

Schon ab 1949 entstanden in NRW die ersten Gruppen der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL).
Damit verbunden wurden auch Gruppen der Sudetendeutschen Jugend (SdJ) gegründet.

Eine der ersten SdJ-Gruppen bildete sich unter der Leitung von Hans Kreibich in Herne. Meine Schwester und ich waren von Anfang an mit Begeisterung dabei.
Ich baute dann die SdJ- Kreisgruppe Recklinghausen mit insgesamt 5 Gruppen auf, Heimabende, Wanderungen, Lager und Treffen bildeten unser abwechslungsreiches Programm.

Im ganzen Land NRW entstanden Gruppen, die sich zur Landesgruppe unter der Führung von Willi Schultes zusammenschlossen und eng mit der Bundesgruppe zusammen arbeiteten.

Nach meiner beruflichen Versetzung im März 1954 nach Frankfurt wurde ich in der bereits bestehenden SdJ- Stammgruppe aktiv. Mit mehreren Kameraden warben wir viele Mädel und Jungen und bauten mehrere Mädel- und Jungenschaftsgruppen ( insgesamt 12 Gruppen mit 180 Mitgliedern ) auf und entfalteten ein reges Gruppenleben.
Die Frankfurter wurden im Land Hessen und im Bund aktiv und bekannt.
Für mehrere Jahre verantwortete ich die Führung der Kreis- und der Landesgruppe der SdJ- Hessen.

Als Landesjungenschaftsführer übernahm ich den Aufbau der 1956 gegründeten DJO- Jungenschaft Hessen.
Zahlreiche Gruppengründungen, Lehrgänge, Landes- und Bundesfahrten und -lager waren neben den organisatorischen Aufgaben zu erledigen.

Ab 1958 gehörte ich der SdJ- Hauptjugendführung, verantwortlich für die Bundesgruppe an, dann von 1961 bis 1965 als gewählter Bundesgruppenführer.

Ab 1963 kooptiertes Mitglied der Bundesversammlung der Sudetendeutschen Volksgruppe.

Durch den beruflichen Aufstieg bedingt, musste ich 1965 die Jugendarbeit aufgeben.
Die Jugendarbeit hat mich und mein Leben entscheidend geprägt.


SL- Arbeit

Durch Hausbau und den Umzug nach Kleinostheim in Bayern, wurde ich Mitglied der SL- Kreisgruppe Aschaffenburg.

1967 übernahm ich die Leitung der SL- Ortsgruppe Kleinostheim,

Von 1967 bis 1975 war ich Leiter des Arbeitskreises Junge Generation der SL-Kreisgruppe Aschaffenburg.

1975 bis 1980 wurde ich stellvertretender Kreisobmann und 1981 Kreisobmann von Aschaffenburg.

Nach 30 Jahren als Kreisobmann trat ich 2010 vor allem wegen meiner Gehbehinderung zurück.


Seßhaftwerdung

1964 bezog ich ein Kaufeigenheim in Kleinostheim in Bayern.

1965 heiratete ich Christa Bodenstorfer aus Wels in Oberösterreich.
Ich hatte sie 1963 auf einer Englandfahrt der Schönhengster Spielschar kennengelernt.

Bald kamen unsere Kinder Monika, Klaus und Susanne zur Welt und erfüllten das neue Haus und den großen Garten mit Leben.


Hobbys

Heimwerken und Gartenarbeiten, Berg- und Schihochtouren, Wander- und Kajakfahrten hielten uns jahrelang fit.
Zahlreiche Reisen in ferne Länder öffneten uns oft die Augen für die wirklichen Probleme dieser Welt.

Schon früh fotografierte und filmte ich die Aktivitäten der DJO/SdJ.
Auch von den Reisen entstanden 40 Filme und Videos, die ich in mehreren Volkshochschulen über 20 Jahre vorführte.

Horst Theml

 

 



    Home