Die Zeitschrift DER PFEIL erinnert im September 1999 noch einmal an dieses erste Zeltlager der damals
langsam entstehenden SdJ.
Insbesondere wird die etwas bürokratische aber doch sehr gern gesehene Unterstützung durch die amerikanischen Truppen
erwähnt und ein kurzer Artikel zitiert, mit dem sich die SdJ bei der einheimischen Bevölkerung bedankt hat.
Bereits im Jahr 1950, vom 22. Juli bis 26. August, hat in Gaisthal das erste Zeltlager der Sudetendeutschen Jugend stattgefunden.
Zeltlager der SdJ-Bezirkesgruppe Ndb./Opf. in Gaisthal
Foto von 1952 |
Insgesamt 239 Kinder und Jugendliche, 84 Mädchen und 155 Jungen, im Alter von 7 bis 25 Jahren nahmen damals an diesem
Grenzlandlager teil.
Die meisten der Teilnehmer waren für ein bis zwei Wochen aus Städten und Ortschaften wie Sulzbach-Rosenberg,
Straubing, Landshut, Kehlheim, Weiden, Pressat, Ruhstorf, Rotthalmünster, Griesbach, Pocking, Aigen a. Inn, Zwiesel, Frauenau,
Regen, Bettmannsäge, Forchheim, München, Freising, Lengdorf Erding und dem Lager Waldstatt zum Zelten angereist.
Aus einer Care-Surplus-Zuteilung erhielt der SdJ-Bezirksverband Niederbayern/Oberpfalz über die Amerikaner eine
Zusatzverpflegung für das Ferienlager. Diese Lebensmittellieferung umfaßte damals z.B. ca. 60 kg Zucker, 20 kg Marmelade, 8 kg
Speck, 15,5kg Fleisch, 50 kg Makkaroni, 18 kg Trockenfrüchte, 18 kg Kakao und 50 Stück Seife.
Als Begründung zum Erhalt dieser Zuteilung mußte folgender Tagesverbrauchsnachweis gefertigt werden:
Der Zucker wird zum täglichen Süßen des Nachmittagstees
verwendet, die Marmelade soll an Sonn- und Feiertagen als Marmeladebrote zum Frühstück ausgegeben werden, an Fett erhält jedes
Kind zur Vesper zwei Fettschnitten, der Speck, das Fleisch und die Makkaroni wird zur Verfeinerung der Mittags- und Abendkost
verwendet, für Sonntags und zu Süßspeisen werden die Trockenfrüchte hergenommen und den Kakao gibt es ebenfalls nur sonntags und
zum Bestreuen von Süßspeisen. Außerdem müssen sich mindestens vier Teilnehmer je ein Stück Seife teilen.
Teilnehmer beim Essenfassen
1950 stifteten die Amerikaner Zusatzverpflegung |
Schon damals, in den Gründerjahren der Sudetendeutschen Jugend, war Otto Thuma als Verwalter und Schatzmeister des Grenzlandlagers in Gaisthal tätig und bedankte sich deshalb im Namen der Sudetendeutschen Jugend bei der einheimischen Bevölkerung in der Oberviechtacher Zeitung Grenzwacht wie folgt:
Dank an die Gaisthaler!
Seit Beendigung des Ferienzeltlagers in Gaisthal, welches von der Sudetendeutschen Landsmannschaft ins Leben gerufen wurde,
erhielt ich von so vielen Teilnehmern Zuschriften, welche mich als Verwalter des Zeltlagers veranlassen, nochmals die schönen Tage
wachzurufen.
Vor allem sei unserem lieben Erich Kukuk für seine aufopfernde Arbeit recht herzlicher Dank ausgesprochen.
Durch seine eigene Initiative und seinen Idealismus ist es uns Teilnehmern möglich gewesen, herrliche Ferientage bei Spiel,
Gesang und Wanderungen zu verbringen, den schönen Bayerischen Wald kennenzulernen, der uns als Grenzland unserer lieben
sudetendeutschen Heimat, in guter Erinnerung bleiben wird.
Das Jungenzelt
Foto von 1952 |
Weiters danken wir der gesamten Gaisthaler Bevölkerung, für die liebevolle Aufnahme in ihrer Mitte.
Herrn Grenzkommissar Schamberger, welcher so vielen Teilnehmern durch Verleihung von Fahrten-, Grund- und Leistungsscheinen
eine große Freude bereitete, sei für seine Mühe und Arbeit herzlichst gedankt.
Herrn Dr. Warta, Oberviechtach, welcher bei Regen und Sturm den Weg zu uns nicht scheute, um manchen kleinen Patienten wieder
gesund zu machen, danken wir gleichfalls recht herzlich.
Nicht zuletzt aufrichtigen Dank an Frau Brand, welche uns in liebenswürdiger Weise ihre Wiese zur Verfügung stellte und an die Wirtsleute des Gaisthalerhammers, Familie Wagner. Sie haben für das leibliche Wohl so gut gesorgt, daß ein Lob auch an dieser Stelle ausgesprochen werden muß.
Gaisthal war für alle Teilnehmer ein Erlebnis und gerne denken wir an Euch alle zurück.
So grüße ich Euch, im Namen aller Teilnehmer des Grenzlandlagers Gaisthal.
Otto Thuma, Berchtesgaden
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