Das Webingerhaus im Jahre 1958  
Der erste Bau, Aufnahme 1958  


Adolf - Webinger - Haus

gelegen in Lackenhäuser im Bayrischen Wald

Das Adolf - Webinger - Haus, auch Haus der Böhmerwäldler genannt, wurde 1953 und in den folgenden Jahren aus einem alten leer stehendem Ausgedingehaus errichtet. Treibende Kraft war Erich Hans sen.

Schon vorher, 1950, hatte die Böhmerwaldjugend in der Nähe ihr Zeltlager durchgeführt. 1955, während des 5. Zeltlagers wurde der heutige Altbau mit Küche, Speiseraum und Schlafräume für Mädchen eingeweiht. 1961 wurde der Neubau errichtet und, gut ausgestattet, als viel genutzte Tagungs- und Freizeitstätte der Böhmerwaldjugend ausgebaut.




Die Entstehung des Hauses der Böhmerwäldler

Als am 15. November 1950 zum erstenmal Der Wanderstecken, die Beilage zum Hoam! erschien, war ein Zeichen gesetzt: Die aus dem Böhmerwald vertriebene Jugend wurde angesprochen und aufgerufen, sich zu sammeln und in einem ersten Jugendlager die Gemeinschaft der Böhmerwaldjugend zu erleben. So reisten 80 Mädchen und Jungen im Sommer 1951 nach Riedelsbach am Hang des Dreisessels. Sie errichteten für die Jungen Zelte, für die Mädchen war ein Heuboden gefunden, in dem sie schliefen. Der Esstisch stand im Freien, als Bad diente eine kleine Quelle und der Hausbrunnen des dem Lagerplatze -- später genannt Kangleralm -- benachbarten Hauses.

Dieses Lager hatte vor allem Josef Kangler organisiert, Lois Löffler stand ihm zur Seite, Erich Hans führt das Lager.

Es kam zu einem Gespräch zwischen Josef Kangler und Erich Hans: Ein Haus sollte man haben, in dem die Mädchen schlafen konnten und in dem eine Küche und ein Essraum waren, Waschgelegenheiten und sonstige Einrichtungen, die für Jugendlager erforderlich waren. Diesen Gedanken trugen die beiden an Adolf Webinger, dem damaligen Vorsitzenden des Vereins der heimattreuen Böhmerwäldler der auch die Zeitschrift Hoam! herausgab und den man den Heimatboten nannte, vor.
Adolf Webinger beriet sich mit seinen Freunden Rudolf Schinko und Rudolf Erhardt. Es wurde der Beschluss gefasst, ein Jugendhaus zu erwerben oder zu bauen.
Zunächst kam der Gedanke auf, das Rosenberger Gut zu erwerben; doch nahm man davon Abstand, weil die hohen Erneuerungskosten zu fürchten waren.
So erwarb man in der Nähe des Rosenberger Gutes 1953 ein kleines Ausgedingehäuschen mit dem dazugehörigen Grund und gedachte dieses Häuschen auszubauen. Das Dach des Häuschens sollte erhalten bleiben. Man nahm die Mauern weg und wollte neu unterbauen; da warf ein nächtlicher Sturm das Dach herunter. Ein völliger Neubau war erforderlich.

So entstand zunächst der erste Bau, jener Teil des Hauses, der der Straße näher steht. Dieser Bau enthielt eine Küche, einen Speiseraum und Schlafräume für Mädchen. Er wurde anlässlich des Jakobifestes und Jugendlagers 1955 eingeweiht. Nun war die Frage, wie das Haus genützt werden konnte, sodass es sich auch trug. Bald zeigte sich, dass die Böhmerwäldler das Haus nicht das ganze Jahr hindurch besetzen konnten.
Interesse am Haus zeigte der Schullandheim Verband Niederbayern Oberpfalz. Aber es gab Auflagen: Das Haus musste erweitert werden, damit auch Schlafräume für Jungen zur Verfügung standen. So kam es 1961 zum zweiten Bauabschnitt: Man errichtete den Querbau und den Lehrsaalbau, der zugleich auch eine Verwalterwohnung enthielt.
Dennoch stellte sich heraus, dass eine weitere Ausgestaltung des Hauses erforderlich war. Es kam 1964 zur Aufstockung des ursprünglichen Hauses an der Straße. Nun war auf lange Zeit ein Haus geschaffen, das Jugendlager und Heimatwochen dienen konnte und im sonstigen Jahresverlauf als Schullandheim diente.

Als der Schullandheimverband die eigenen Häuser ausgebaut hatte, beendete er den Vertrag mit unserem Hause. Dafür trat als neuer Mieter die Deutsche Jugend des Osten -- Landesverband Baden-Württemberg auf, und so war das Haus wieder ganzjährig ausgelastet.
Die Böhmerwäldler selbst benützen das Haus in Ferienzeiten für das Sommer- und Winterlager der Böhmerwaldjugend, für die Heimatwochen in den Sommerferien und für das Osterseminar des Deutschen Böhmerwaldbundes. Eine Zeit war -- in den Anfangsjahren -- in dem Haus auch die Böhmerwald-Bauernschule untergebracht, eine Gründung Adolf Webingers unter Leitung von Ing. Baschant.

Die Hauptlasten für den Bau des Hauses trug der Verein der heimattreuen Böhmerwäldler. Die nötigen Mittel nahm er aus den Überschüssen, die die Zeitschrift Hoam! brachte. Diese Überschüsse kamen zustande, weil die Arbeit an der Zeitschrift ehrenamtlich, also kostenlos geleistet wurde, dies auch, nachdem im Jahre 1960 Adolf Webinger die Leitung niederlegte und an Erich Hans sen. übergab.

Zeitweise hatten die Landsleute Rudolf Erhardt und Rudolf Schinko, die die gesamte Finanzierung des Hauses leiteten, mit einer Schuldenlast von 100.000,-- DM schwere Sorgen. Sie mussten für diese Summe persönlich bürgen. Eine Sammlung des Heimatverbandes der Böhmerwäldler konnte diese Lücke nicht schließen; auch die Staatszuschüsse reichten nicht hin. So galt es an der Zeitschrift Hoam! zu sparen und ihre Erträge voll für das Haus einzusetzen. Nach und nach konnten die Schulden getilgt werden. Dennoch bleiben gewisse Sorgen: Das Haus muss weiterentwickelt werden, gewisse Erweiterungen sind erforderlich, die Zimmer sollten so weit wie möglich mit Waschgelegenheiten ausgerüstet werden. Das sind notwendige Vorhaben, die wieder erhebliche Mittel erfordern.

Neben dem Ausbau des Hauses und seiner Einrichtung waren auch andere Maßnahmen erforderlich. Das Haus sollte auch ein kultureller Mittelpunkt der Böhmerwäldler werden. So ging der Verein der heimattreuen Böhmerwäldler daran, für das Haus Kunstwerke anzuschaffen.
Es entstand zunächst das Schnitzwerk von Adolf Paulik, das die Wappen der Böhmerwaldstädte und -märkte und ein Bild unter dem Titel Heilige Saat vorstellt. Dann begann Rudolf Schinko mit der Sammlung von Kunstwerken der Maler aus dem Böhmerwald.
Im Laufe der Jahre ist eine beachtliche Sammlung entstanden, die das Kunstschaffen einer ganzen Reihe Böhmerwäldler Maler aufzeigt. Ein Kunstschatz, der sich auch erzieherisch auf die jeweiligen Insassen des Hauses auswirkt.

So ist ein Mittelpunkt für die Böhmerwäldler entstanden, der neben ähnlichen Einrichtungen bestehen kann und der, in der Bannmeile des Rosenberger Gutes gelegen, wo Adalbert Stifter sich so oft und so gerne erholte und wo er an seinen großen Roman Witiko arbeitete, dessen Held er über das Rosenberger Gut seinen Weg nach Böhmen nehmen ließ, unter dem Geiste dieses größten Böhmerwäldlers wirksam ist.

( Anmerkung:
Im Jahr 1997/98 wurde das Haus der Böhmerwäldler -- Adolf-Webinger-Haus -- mit über 1 Mio. DM grundrenoviert. Es wird seither vom Verein der heimattreuen Böhmerwäldler e.V. nicht nur verwaltet sonder auf betrieben. Ingo H. )



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