Die Kameradschaft

Die Kameradschaft ist uns unwandelbar! Dieser Spruch hat mir einmal sehr gut gefallen.
Doch jetzt habe ich ihn so oft gehört, von Menschen, aus deren Mund er zur Phrase wurde.

Oft hörte ich über schlechte Kameradschaft, über falsche Kameraden schimpfen.

Ein deutliches Zeichen dafür, wie abgewertet heute unsere Ideale sind.
Ist euch eigentlich noch nicht aufgefallen, daß wir immer das Wörtchen echt davor setzen müssen, wenn wir von ähnlichen Werten sprechen?
Wir glauben nur an eine echte Kameradschaft an einen echten Kameraden. Ist es nicht traurig, daß es die Worte allein nicht mehr ausdrücken können?

Und warum kennen wir zwei Bezeichnungen, zwei Abstufungen?
Weil wir jeden Menschen, den wir ein bisschen näher kennen, sei es aus der Schule, oder von der Werkbank her, sofort als Kameraden bezeichnen.
Sehr viele Menschen wundern sich und sind bitter enttäuscht, wenn ihr sogenannter Kameradenkreis eine Bewährungsprobe nicht standhält.
Bäume mit dem härtesten Holz haben auch die längste Wachstumsdauer. So ist es auch mit der Kameradschaft. Sie wächst langsam, man muß ihr Zeit lassen.

Besteht sie, dann muß sie ewig halten und darf durch nichts erschüttert werden. Das meint unser Spruch mit der Unwandelbarkeit. Kamerad sein heißt vor allem tolerant sein.
Über manchen Fehler, über manchen Zug, der mir an meinem Kameraden nicht gefällt, werde ich hinwegsehen müssen.

Er nimmt ja auch meine Fehler hin.
Erst aus dieser gegenseitigen Duldsamkeit erwächst die Offenheit und Ehrlichkeit zwischen zwei Kameraden.
Viele entscheidende Fragen, und für den einen unüberwindbar erscheinende Probleme wurden mit Hilfe des Kameraden gelöst; denn Kameraden können sich manches sagen, was bei einem entfernt stehenden Menschen Beleidigung wäre.

Wenn sich zwei Kameraden auch gegenseitig auf eigene Fehler aufmerksam machen, werden sie nach außen fest zusammenhalten und einer für den anderen einstehen.

Ist es falsch, wenn ich behaupte, kein Mensch kommt auf die Dauer ohne Kamerad aus?
 

Klaus, Eichenried



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