Deutsche Jugend des Ostens 8 München 5, 10.11.1966    
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Übersicht
über das Gespräch mit den Mitgliedern des Jungenschaftskapitel
über die Jungenarbeit im Bund
05. / 06. 11. 1966

Zur Einführung des Gespräches stellte der Bundesführer Ossi Böse, folgendes fest:

  1. Der Jugendverband in der heutigen Zeit darf nicht Selbstzweck sein, sondern muss dem Einzelnen eine echte Lebenshilfe geben.
  2. Die Struktur unseres Jugendbundes verlangt entsprechend der Altersstufengliederung mehrere Führungs- und Erziehungsstile.
  3. Die Erlebnisvermittlung ist entscheidend für die Bildung einer Gemeinschaft.
  4. Die äußeren Formen sind legitim bei den Jüngeren. Bei den Jugendkreisen müssen diese auf den jeweiligen Moment abgestellt werden. Hier darf es keine starre Reglementierung geben. Auch die äußeren Formen bei den Jüngeren dürfen nur nach Zweckmäßigkeitsgründen ausgerichtet werden.
  5. Die Erziehung in der Gruppe muss dem Einzelnen die Hilfe gewähren, damit er zu einer echten Lebensgestaltung kommt.
  6. Stil der Gruppe und Gruppenarbeit werden von den jeweiligen Gruppenführern zugeschnitten sein. Nicht übersehen werden darf dabei, dass immer wieder die Frage zu stellen ist, ob es dem Ganzen nützt oder schadet.
  7. Wir dürfen nicht nur ein unverbindliches Angebot abgeben, sondern müssen echte Forderungen stellen.

Der Bundesjungenschaftsführer und die Mitglieder des Bundeskapitels beantworteten die Frage der Landesführer, wie sich die Jungenschaft selbst sieht, dahingehend, dass die Jungenschaft eine Altersstufengliederung des Bundes ist.

Die Jungenschaft als Altersstufengliederung, muss eine echte Erziehungsgemeinschaft, mit klaren Wertvorstellungen und Wertmaßstäben sein. Das politische Ziel der DJO muss in der Jungenschaft mit den Methoden dieser Altersstufe entsprechend erklärt werden. Keine Parolenerziehung, keine Vereinsmacherei. Die Arbeit muss lebendig bleiben, keine starre, einengende Ordnung und Reglementierung. Es darf auch für die Altersstufe der Jungenschaft kein Exerzierreglement geschaffen werden.

Wir müssen in der Methode beweglich bleiben. Im Mittelpunkt steht das Heranführen und die Erziehung zur Gemeinschaft -- nicht Cliquenbildung. Erfolg und Ergebnis der Jungenschaftsarbeit ist nicht daran abzulesen, dass möglichst viele oder alle in die Jugendkreise überführt werden, sondern wie der Einzelne nach seinem Herauswachsen in seiner Umwelt Einfluss nimmt.

Dabei steht außer Frage, dass die Jungen dieser Altersstufe und die Gruppen in den Bund hineingeführt werden.

Die Überführung von Jungenschaftsgruppen oder Einzelner in die Jugendkreise, ist regional unterschiedlich verlaufen. In einigen Bereichen hat es vorbildlich geklappt -- in anderen gab es Schwierigkeiten.

Das Gesetz der Jungenschaft ist gut und modern. Was nottut ist die Schaffung eines Grundheftes, das den Jungenschaftsführern die pädagogische und methodische Hilfe gewährt. Für dieses Grundheft ist viel Material gesammelt. Die Jungenschaftsführung sieht es als ihre vordringliche Aufgabe an, in kürzester Zeit dieses Grundheft zu erstellen und den Führungskräften an die Hand zu geben.

Eine große Sorge bereitet das Ausscheiden von Jungenschaftsführern, durch die Einberufung zur Bundeswehr. Es stellt sich nicht die Frage nach dem Erreichen und dem Interessieren von Jungen für die Arbeit, sondern ob die gezielte und erfassende Nachwuchsführerschulung ermöglicht, dass die Gruppe nach Ausscheiden des jeweiligen Gruppenführers weiterarbeiten kann.

Die hier und dort vorgenommene Bildung von Kindergruppen und deren Unterstellung unter Jungenschaftsführer, kann nicht Modell sein, sondern ist nur dort zu praktizieren, wo reife und erwachsene Führungskräfte zur Verfügung stehen. Auf keinen Fall dürfen 14 - 15jährige Jungenschaftsführer mit der Leitung von Kindergruppen beauftragt werden, da sie hiermit überfordert werden.

Die Jungenschaftsführung war durch einen aufgetretenen Fall gezwungen, festzustellen, dass Mädel nicht Mitglieder der Jungenschaft werden können.

Die Proben für die einzelnen Rangstufen müssen echte Führerproben darstellen.

Einen breiten Raum nahm die Namensdiskussion ein. Hier gingen die Meinungen sehr weit auseinander. Allen vertretenen Auffassungen muss unterstellt werden, dass jeder der seine Meinung hierzu äußerte, sich um das Wohl des gesamten Bundes Gedanken machte und nach einem Weg suchte, um die Plattform unseres Jugendbundes zu erweitern. Es wurde festgestellt, der Name DJO ist schlecht.
Durch den Namen: Einengung in der Werbung, weil sehr breit die Meinung vertreten wird, dass nur Kinder von Vertriebenen die Mitgliedschaft erwerben können.

Schwierigkeiten auch für den Gruppenführer sind, der Gruppe Namen, Aufgabenstellung und Zielsetzung zu erklären.
Diesen Auffassungen standen andere entgegen, die davor warnten den Namen zu ändern, da der Name DJO heute ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit eingedrungen ist -- gleichgültig ob positiv oder negativ. Durch den Namen DJO werden alle Führer gezwungen, sich mit dem Jugendbund zu beschäftigen und sind verpflichtet, in ihrem Bereich das Wollen dieses Jugendbundes zu erklären.

Zusammengefasst muss hier festgestellt werden, dass es ein sehr gutes Gespräch mit den Jungenschaftsführern war: das Gemeinsame gesehen zu haben und zu erkennen, dass die geführte Diskussion über die verschiedensten Fragen und Probleme notwendig ist in dem Wollen, dass der Bund in seiner Gesamtheit gestrafft wird.

Die Entwicklung der Mitgliederzahlen im Bereich der Jungenschaft ist unterschiedlich. Es hängt jeweils von dem örtlichen Führer ab. Dabei ist entscheidend, dass jeder Gruppenführer sich einen Führungskreis schafft. Dieser Führungskreis gibt die Sicherheit, dass mit dem Ausscheiden des jeweiligen Gruppenführers die Gruppe weiterarbeitet.

Diese Zusammenfassung ist nicht vollständig. In dem Arbeitskreis Erziehung werden die in diesem Gespräch aufgeworfenen Fragen weiter zu behandeln sein.

Insbesondere auch die Frage, ob die Altersstufengliederung in unserem Bund noch zeitgemäß ist. Falls diese Frage verneint wird, müssen neue grundsätzliche Überlegungen angestellt werden, um hier der Entwicklung im Jugendraum nicht nachzulaufen.

  gez. Heinz Patock        
f.d.R. Eckl  

 

Die Neufassung der Probenordnung geht Euch in der nächsten Woche zu. Es sind Schwierigkeiten drucktechnischer Art aufgetreten, die wir zu entschuldigen bitten.

Freundliche Grüße        
Bundesgeschäftsstelle      


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