In den ersten Jahren nach Ende des Krieges wurde angesichts der Tatsache, daß sich in den westlichen Bundesländern -- nach den Jahren der Gleichschaltung -- die alten Jugendbünde und -verbände wieder bildeten oftmals über Sinn und Unsinn eines eigenen Jugendverbandes der Sudetendeutschen/Heimatvertriebenen diskutiert.

In diesem Zusammenhang war am 20.12.1952 in der Sudetendeutschen Zeitung zu lesen:
(Zunächst eine gut lesbare Reproduktion des Textes)


Hat unsere Jugendarbeit einen Sinn?

Unsere politische Aufgabe für Deutschland und Europa

Die Weihnachtszeit ist eine Zeit der Besinnung. Noch einmal lassen wir die vergangenen Monate an uns vorüberziehen und fragen uns: ist alles richtig, was wir tun und getan haben? Wir jungen Menschen sind viel kritischer als es die Generationen vor uns waren.
Darum lasst uns einmal ernstlich prüfen: hat unsere Jugendarbeit einen Sinn?


Noch nie stand die junge Generation eines Volkes vor einem Trümmerhaufen, wie wir ihm nach dem Jahr 1945 gegenüberstanden. Ideale waren über Nacht zerbrochen, nichts blieb als ein schaales Gefühl. Je nach Veranlagung versuchten wir, damit fertigzuwerden. Die große Enttäuschung wandelte sich entweder in einen schrankenlosen Liberalismus, der jeder Autorität den Kampf ansagte, in einem überspitzten Konfessionalismus oder ein einen zynischen Nihilismus der von einem beispiellosen Egoismus getragen war.

Für die heranwachsende Jugend war es schwer aus der großen Masse der 20 bis 35-jährigen die Idealisten herauszufinden, an denen sie sich zu einem Ziel hin orientieren konnten. So haben wir nach den ersten Jahren der Lethargie, eine Vielfalt von Jugendbewegungen kennengelernt, die einen deutlicher Ausdruck dieses Suchens und Tastens waren. Aus diesem bunten Gemisch kristallisierten sich mehrere große Verbände heraus, aus denen wir die wesentlichsten erwähnen wollen. Die rein sportlich orientierte Jugend der Sportverbände, die konfessionellen Jugendorganisationen, die landmannschaftliche und die Deutsche Jugend des Ostens, die Pfandfinderverbände und die Parteijugend.

Über ihre besonderen Anliegen brauchen wir uns nicht weiter zu verbreiten, sie sind hinreichend bekannt. Die Kernfrage für uns muss lauten: hat eine eigenen sudentendeutsche Jugendorganisation neben den anderen, die ja auch alle vorgeben, den Kampf der Vertriebenen um ihre Heimat als den ihren zu betrachten, ein Lebensrecht? Ist eine eigene Volksgruppenjugendorganisation in Gefahr, eine Art Staatsjugend zu werden? Reicht der Heimatgedanke überhaupt aus, um einer Jugendbewegung ein Fundament zu geben?

Der Kampf des Sudetendeutschtums um seine Heimat, ist mehr als eine Heimatbündelei, ein Vereinsmeiertum zur Pflege von Erinnerungen. Es ist eine politische Aufgabe im Interesse des gesamten deutschen Volkes und aller Völker Europas. Die westliche Welt kann es sich einfach nicht leisten, den europäischen Osten und Südosten von seinen deutschen Volksgruppen zu entblößen, die die stärksten Widerstandkräfte gegen den Bolschewismus darstellen. Sie braucht die Deutschen im Osten und Südosten, dort wo sie zu Hause waren als Träger eines speziellen europäischen Geistes.
Man komme uns nicht mit der Ausrede, die Verbrechen Hitlers hätten jede Rückkehr unmöglich gemacht.
Wir haben uns in Europa, wenn wir die ganze Geschichte des Kontinentes betrachten, nichts vorzuwerfen. Vor Hitler gab es Jahrhunderte, in denen die Völker des Ostens und Südostens ihre Völker fest an das Abendland gebunden haben und sie zu immer höheren Leistungen steigerten. Sie haben dabei auch selbst vieles gelernt. Das gegenseitige Geben und Nehmen festigte die Stellung Europas in der abendländischen Gemeinschaft.

Diese geschichtliche Tradition darf nicht abgebrochen werden. Sie muss um der ganzen Menschheit willen eine neue Zukunft haben. Die Zukunft sind die Menschen der jungen Generation, die nicht die Bindung an ihren Auftrag preisgeben dürfen.
Wir verkennen nicht den guten Willen der anderen Jugendorganisationen, auch das ihre zu tun um diesen Gedanken wachzuhalten. Aber er kann für sie, aufgrund ihrer Zusammensetzung nur eine Randaufgabe darstellen, die auf die Dauer nur Übergangscharakter hat.
Auch wir wollen unsere jungen Menschen nicht gegen die Gemeinschaft, sondern für das ganze deutsche Volk erziehen. Wir wollen aber aus ihnen die Träger des Kampfes um die sudetendeutsche Heimat machen, die durch ihre Arbeit unseren jungen Landsleuten in den anderen Jugendorganisationen den Rückhalt geben, den jene brauchen, um den notwendigen Einfluss innerhalb ihrer Organisation zu gewinnen.
Um die richtigen jungen Menschen für unsere Aufgabe zu finden, brauchen wir die Hilfe der älteren Generation. An ihr ist es gelegen, der Jugend immer wieder das Tor zur Heimat zu öffnen und ihr ihren Auftrag zu übermitteln. Aufgabe der Eltern ist es, den jungen Menschen nicht nur die Engen, sondern gerade die Weiten ihrer Mission zu zeigen.
Wenn die ältere Generation von diesen Voraussetzungen ausgehend, die Arbeit unserer Jugend unterstützt, dann braucht uns um die Zukunft des Sudetendeutschtums nicht Bange zu werden.


 

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Nun noch ein Blick auf den Originalartikel in der Zeitung:

Sudetendeutsche Zeitung, 20.12.1952

 



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